Juni 2016


Bei einem Planetentreffen unterhalten sich die Planeten darüber, wie es jedem so geht. Die Erde jammert: "Ach, ich bin schwer krank." Fragt der Mars voller Anteilnahme, was ihr denn fehle. Die Erde: "Ich habe Homo sapiens!" "Ach so...", meint da der Mars beruhigend, "keine Angst – das hatte ich auch, das geht vorüber!"

Für uns als Homo sapiens ist dieser Witz nicht gerade ein Grund zum Jubeln. Ist der Mensch nur eine Krankheit auf unserem Planeten Erde? Der Mensch, der, wie es in der Schöpfungsgeschichte (1.Mose 1,1ff.) heißt, zum Bilde Gottes geschaffen wurde, hat die Erde nicht beschützt und bewahrt, wie es seine Bestimmung als Gottes Ebenbild war. Deshalb ist diese Erde krank, hat Homo sapiens – wie es in unserem Witz heißt.

Wie schön wäre es, da noch einmal an den Anfang zurückzukehren, einfach noch mal von vorne anfangen zu können - damals, als alles sehr gut war. Doch als unsere Schöpfungsgeschichte entstanden und aufgeschrieben wurde, lebten die Menschen nicht am paradiesischen Anfang der Welt, als alles noch in Ordnung war. Diese Geschichte wurde niedergeschrieben, als das Volk Israel seine Blütezeit schon hinter sich hatte und im Exil lebte, fern von seiner Heimat. Die Verfasser wollten mit der Geschichte nicht die Frage nach dem Entstehen von Welt und Mensch beantworten, sondern die Frage des gefährdeten, bedrohten, verwundbaren Menschen, die Frage nach dem Sinn des Lebens. Sie wollten sich der schwierigen Lage zum Trotz der bleibenden Macht Gottes vergewissern. Das taten sie, indem sie auf den Ursprung zurückblickten, auf die Zeit, als Gott das Leben so wollte und als alles sehr gut war.

Wir Menschen im Jahr 2016 und die Menschen damals vor 2500 Jahren haben etwas gemeinsam: Wir können Geschehenes nicht rückgängig machen. Aber mit den Menschen vor 2500 Jahren bleibt uns das Jubeln über einen Gott, der dieses Leben wollte und uns diesen Lebenswillen nicht nur am Anfang der Welt, sondern immer wieder neu zusagt.

Gott will nicht, dass der Homo sapiens vom Planeten Erde verschwindet. In Gottes Augen sind wir Menschen keine Krankheit, die vorübergeht, sondern wir sind seine Geschöpfe, die er erhalten will. Die Ostergeschichte und die Zusage des neuen Lebens in der Auferstehung Jesu, die wir uns erzählen, zeugt von diesem Schöpfungswillen Gottes.

Aus dieser Erinnerung daran, wie Gott diese Welt gewollt hat, kann die Hoffnung wachsen, dass Gottes Schaffen und seine Fürsorge nicht zu Ende ist, sondern für immer gilt - aller Bedrohung zum Trotz. Die Erde können wir Menschen nicht wieder in ihren Ursprungszustand zurückversetzen. Aber wir als Menschen mit dieser von Gott zugesagten Bestimmung können an den Anfang zurückkehren. Als Gottes Ebenbilder heben wir unsere schuldbewussten Köpfe und stimmen aller Bedrohung zum Trotz mit ein in Gottes Jubel "Siehe es war sehr gut" und danken Gott für das Leben, das er so wundervoll gemacht hat. Und mit diesem Jubel und Dank über das Geschenk des Lebens wird jede/r einzelne von uns sich bemühen, alles Leben auf der Erde zu schützen.

Wenn wir als Kirchengemeinde nun die Plakette "Faire Gemeinde" haben, dann haben wir zunächst einmal einen Auftrag:

Diese Schöpfung, soweit es in unseren Kräften steht, zu schützen und fair mit unseren Mitgeschöpfen und unserer Umwelt umzugehen. Wir handeln fair im Kirchenalltag, so unser Vorhaben.

Doch diese Plakette ist auch eine Auszeichnung – die Auszeichnung, die wir von Gott als Menschen am Anfang der Welt erhalten haben, als sein gewolltes Geschöpf hier auf dieser Erde zu leben und sie in seinem Namen zu schützen und zu bewahren. Als solche von Gott ausgezeichneten und beauftragten Menschen sind wir sehr gut. Und so haben wir als Gemeinde Jubilate einen guten Grund zum Jubeln.

(Auszug aus der Predigt am Sonntag Jubilate 2016)

Es grüßt Sie herzlichst Ihre
Pfarrerin Annette Denneler